18.02.2026

Was brauchen wir wirklich?

Diese Frage bezieht sich nicht auf materielles. Abgesehen davon, dass wir eigentlich alle, alles haben. Nicht immer im Umfang und der Qualität, die wir uns wünschen, aber dennoch. Der materielle Überfluss hat ein für meinen Geschmack groteskes Ausmaß. Damit kann man sich auch scheinbar gut hinweghelfen über den Mangel, der uns wirklich quält. Den Mangel an Verbundenheit, Verbindung, Kontakt. In meiner Arbeit erlebe ich häufig, dass der Kontakt zu sich selbst, zur eigenen Essenz, dass die Fähigkeit zu spüren, wie es einem geht, stark gestört bis vollständig verloren ist. Mit all den Auswirkungen auf Beziehung und Kommunikation, die es dann haben kann. Es gibt viele Erklärungen dafür, dass es so ist. Auf allen möglichen Ebenen, psychologisch, soziologisch, systemisch und natürlich auf der spirituellen Ebene. Die Frage ist aber doch, was kann man machen? Es gibt gar nicht genug Therapieplätze oder auch Coachingangebote, um den Bedarf an Hilfe und Unterstützung zu decken.
Von: Franziska Stefani
Ein Wanderer mit gelber Jacke und Rucksack überquert eine Hängebrücke in den Bergen bei Sonnenuntergang.
Was kann man also tun? Abgesehen davon, dass es hilfreich ist, immer wieder einmal innezuhalten, durchzuatmen und sich zu strecken, sich vom eigenen inneren Drama zu distanzieren und sich immer wieder neu auszurichten. Die Richtung weg von der Angst, hin zur Liebe. Das professionelle Setting beinhaltet im Wesentlichen – in Variationen – dass ich gesehen und gehört werde, dass ich nicht für mein „So-Sein“ bewertet oder gar verurteilt werde und dass ich für eine kurze Weile nicht allein bin, mit meinem Problem. Der Effekt ist, dass ich für diese kurze Weile in Sicherheit bin. Aufatmen kann, die Anspannung loslassen kann. Und das könnten wir alle auch im Alltag füreinander bereithalten. Immer da, wo es mir gelingt, mein Gegenüber zu hören, zu sehen, ohne Wertung wohlwollend interessiert zu sein, da entsteht Kontakt. Verbindung. Es spielt keine große Rolle, in welchem Setting das stattfindet. Immer da, wo ich gehört und gesehen bin, wo ich in Sicherheit bin, da kann ich mich ein Stückchen von meiner Identifikation mit einer Situation lösen und alles neu betrachten. Vielleicht wird klarer, dass mein Erleben stimmig ist oder vielleicht kann ich mich davon distanzieren und neue Entscheidungen treffen, einen anderen Weg einschlagen. Das ist für viele Menschen unerwartet schwer – es betrifft beide Seiten - die gute Nachricht ist, man kann es lernen. Der von mir verfasste, rudimentäre Kommunikationsguide stellt ein Gerüst dar, an dem man sich orientieren kann und somit Inseln von Kontakt und Sicherheit bereitstellen kann. Während des Schreibens – ich sitze hier im Cafe - hat mir jemand gesagt, das sei ja geschäftsschädigend für mich, denn schließlich sei mein Coachingangebot dazu gedacht, mich finanziell zu versorgen. Ja, das stimmt. Und es stimmt auch nicht. Wie in fast allen Bereichen, kann ich mir viel selbst beibringen und dennoch ist der Weg, heraus aus alten Verhaltens- und Gefühlsmustern, oft weit und unbekannt. Und dann stehe ich gern zur Verfügung, den Weg für eine Weile zu begleiten. Insgesamt halte ich die Ausrichtung an der Liebe im Gegensatz zur Angst für die alles Entscheidende. Für jeden Einzelnen und für die Welt als Ganzes. Deshalb spielt es für mich keine Rolle, ob jemand seinen Weg ganz allein geht, anderweitig Hilfe findet oder sich an mich wendet. Die Hauptsache ist, wir kommen in Kontakt mit uns selbst, in Kontakt miteinander und entscheiden uns immer wieder für die Liebe. Jedes Mal aufs Neue. Das macht die Welt heller, freundlicher und sicherer. Und darauf kommt es an.

Über den Autor:

Franziska Stefani
Coach
1963 in München geboren Tochter, Mutter, Freundin, Mensch, Partnerin, Künstlerin, Hundefreundin, Suchende, Findende, sich den Wogen des Lebens hingebende……. Erzieherin, Sozialpädagogin, Mediatorin, Life-Coach

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